Ein Gastbeitrag von Dominik Mirsemann, starbuero.de
Wer auf einer Website etwas Konkretes klären will, sucht oft zuerst die Telefonnummer. Ob ein Termin noch frei ist, ob die Größe passt oder ob ein Anbieter überhaupt infrage kommt: Viele Menschen fragen das lieber einen Menschen als ein Formular. Bei Problemen mit einer Online-Bestellung wünschen sich 62 Prozent eine schnell erreichbare, menschliche Kontaktperson, nur 36 Prozent einen Chatbot (Bitkom 2025).
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wo die Nummer auf Ihrer Website hingehört, welche Beispiele sich bewährt haben, wie Sie Klicks darauf messen und was gilt, wenn Kunden direkt aus einer Anzeige anrufen.
Das Wichtigste in Kürze
- Platzierung: Die Nummer gehört dorthin, wo Ihre Kunden entscheiden. Bei telefonstarken Geschäftsmodellen ist das der Header, bei Shops zusätzlich der Checkout. Ist Telefon nur ein Nebenkanal, reicht der Footer.
- Smartphone: Mobil muss ein Tipp auf die Nummer den Anruf starten, am besten über ein Symbol, das beim Scrollen sichtbar bleibt.
- Messen: Ein Klick auf die Nummer ist noch kein Anruf. Mit einem Analytics-Tool sehen Sie, welche Seiten und Kanäle zum Anrufen bewegen.
- Annahme: Die beste Platzierung bringt nichts, wenn niemand abnimmt. Das gilt besonders, wenn Anzeigen Anrufe direkt auslösen.
Warum das Telefon im Online-Marketing noch zählt
Die meisten Kunden informieren sich heute online. Viele greifen aber zum Telefon, sobald es konkret wird: vor einem Termin, bei einer Frage zur Bestellung oder wenn sie wissen wollen, ob ein Anbieter zu ihnen passt. Die Bitkom-Zahl oben zeigt, dass sich Kunden bei Problemen einen Menschen wünschen. Für viele ist das Telefon der schnellste Weg dorthin.
Wie verbreitet das ist, zeigt eine Umfrage von YouGov im Auftrag des Telefonie-Anbieters Enreach: 74 Prozent der Deutschen nehmen über das Telefon Kontakt zu Unternehmen auf. 60 Prozent erleben kleine Unternehmen dabei immer oder oft als schwer erreichbar (Enreach/YouGov 2023). Die Nummer zu finden ist also nur der erste Schritt, am anderen Ende muss auch jemand abnehmen.
Das gilt besonders für ältere Zielgruppen. Ab 65 Jahren sind laut Bitkom 2026 zwar drei Viertel online, ab 80 aber nur noch knapp die Hälfte. Wer diese Kunden erreichen will, muss mit Anrufen rechnen.
Besonders deutlich wird das bei Arztpraxen. Den letzten Termin beim Hausarzt haben 59 Prozent der Versicherten persönlich oder telefonisch vereinbart, beim Facharzt 65 Prozent (GKV-Spitzenverband 2026). Gleichzeitig sind 44 Prozent mit der telefonischen Erreichbarkeit der Praxen unzufrieden (GKV-Spitzenverband 2025). Online-Buchung wächst zwar, aber der meistgenannte Vorteil sagt viel: 84 Prozent der Nutzer und Interessierten schätzen daran, nicht mehr von der telefonischen Erreichbarkeit der Praxis abhängig zu sein (Bitkom 2025). Für Praxen heißt das: Die Nummer gehört gut sichtbar auf die Website, aber nur, wenn auch jemand abnimmt. Ist das Team am Empfang mit den Patienten vor Ort beschäftigt, kann ein Telefonservice für Arztpraxen die Anrufe annehmen.
Die Platzierungen im Überblick
Es gibt nicht die eine richtige Stelle für die Telefonnummer. Entscheidend ist, wie wichtig Anrufe für Ihr Geschäft sind und in welchem Moment Kunden anrufen wollen.
1. Im Header über oder neben dem Menü
Die Nummer steht auf jeder Seite sichtbar oben, oft in einer schmalen Leiste über dem Menü. Oben rechts und im Footer suchen Nutzer Kontaktangaben am ehesten, das hat die Nielsen Norman Group in Usability-Tests beobachtet (NN/g 2019).
Typisch ist der Header bei allen, für die ein Anruf der wichtigste Schritt zum Auftrag ist. Das Stoßwellenzentrum NRW in Köln zeigt die Nummer über dem Menü, direkt daneben den Button „Kontakt / Termin online“. So wählt jeder Patient den Weg, der ihm lieber ist. Die Kanzlei von Rechtsanwalt Markus Büttgenbach in Siegburg geht einen Schritt weiter und schreibt „Soforthilfe vom Anwalt“ vor die Nummer. Wer im Familienrecht anruft, hat oft ein dringendes Anliegen und soll nicht suchen müssen. Auch Schild Roth selbst stellt die Nummer oben links neben die E-Mail-Adresse, denn bei einer Agentur ist das Erstgespräch der wichtigste Schritt.
Wer die Nummer so prominent zeigt, verspricht Erreichbarkeit. Wer „Soforthilfe“ ankündigt, muss sie auch leisten. Ist die Leitung dauerbesetzt, wirkt der Header gegen Sie.
2. Als fester Anruf-Button auf dem Smartphone
Auf dem Smartphone ist für eine ausgeschriebene Nummer selten Platz. Viele Seiten setzen deshalb eine feste Leiste an den unteren Bildschirmrand, die beim Scrollen stehen bleibt. So macht es die Fachklinik CG Lympha: Unten sind immer vier Symbole zu sehen, darunter Termin, WhatsApp und Anruf. Ein Tipp auf den Hörer startet den Anruf, ohne dass die Patientin erst die Kontaktseite suchen muss. Diese Lösung lohnt sich für alle, bei denen der erste Kontakt meist vom Handy kommt: Praxen, Kliniken, Handwerk und Notdienste.
Damit ein Tipp den Anruf startet, muss die Nummer als Link eingebunden sein, der mit tel: beginnt, im internationalen Format ohne Leerzeichen: tel:+49301234567. Bei +49 fällt die erste 0 der Vorwahl weg. Für einen Shop, der vor allem online verkaufen will, ist eine feste Anrufleiste meist zu laut. Ein Hörer-Symbol im Header reicht dort.
3. Direkt neben dem wichtigsten Call-to-Action
Manche Unternehmen machen den Anruf selbst zum Call-to-Action. Die Glaserei Glas Fischenich in Köln setzt auf der Startseite den Button „Jetzt anrufen!“ gleichrangig neben „Mehr erfahren“. Das passt, weil der Betrieb einen 24-Stunden-Notdienst anbietet: Wer eine kaputte Scheibe hat, will nicht erst ein Formular ausfüllen.
Dasselbe Prinzip funktioniert bei Beratungsleistungen im B2B. Dort steht die Nummer neben „Angebot anfordern“ oder „Termin buchen“. Das Formular ist für alle, die lieber schreiben, das Telefon für alle, die schnell klären wollen, ob der Anbieter zu ihnen passt.
4. Im Warenkorb und im Checkout
Kurz vor dem Kauf tauchen die letzten Fragen auf: Lieferzeit, Größe, Zahlungsart. Ein dezenter Hinweis „Fragen zur Bestellung? Rufen Sie uns an“ kann einen Kaufabbruch verhindern. Diese Platzierung ist besonders sinnvoll bei erklärungsbedürftigen oder teuren Produkten.
5. Auf der Kontaktseite mit Ansprechpartner
Die Kontaktseite ist die Stelle, an der Besucher gezielt nach der Nummer suchen. Hier sollte sie nicht allein stehen: Ein Name, ein Foto und die Telefonzeiten machen aus einer Nummer einen Ansprechpartner. Bei uns auf starbuero.de steht deshalb ein Ansprechpartner mit Foto und Funktion neben der Nummer. Auf der Kontaktseite stehen die Beratungszeiten direkt daneben, dazu eine eigene Nummer für Anrufe aus dem Ausland. Ein kurzer Zusatz wie „Mo bis Fr, 9 bis 17 Uhr“ erspart Kunden den Anruf ins Leere.
6. Im Footer
Im Footer steht die Nummer auf jeder Seite, ohne Platz im sichtbaren Bereich zu kosten. Die F&S Steuerberatung in Berlin fasst dort unter „Kontaktieren Sie uns“ Adresse, Telefon, Fax und E-Mail zusammen. Wer die Kanzlei sucht, findet alles an einer Stelle. Das ist die richtige Wahl, wenn Telefon ein Kanal unter mehreren ist. Wer Anrufe aktiv gewinnen will, sollte die Nummer zusätzlich weiter oben zeigen.
7. Nur im Impressum
Die zurückhaltendste Variante ist die Nummer allein im Impressum. Sie passt zu Software- und B2B-Anbietern, die bewusst über E-Mail, Chat oder Ticketsystem arbeiten. Wichtig ist, dass trotzdem jemand abnimmt, denn eine Nummer, unter der niemand erreichbar ist, wirkt unseriös.
Welche Platzierung passt zu welchem Geschäftsmodell?
| Geschäftsmodell | Empfohlene Platzierung |
|---|---|
| Arztpraxis, Klinik, Kanzlei | Header, mobil als feste Anrufleiste |
| Handwerk, Notdienst | Anruf-Button neben dem Call-to-Action, mobile Anrufleiste |
| Onlineshop mit älterer Zielgruppe | Header und Checkout |
| Onlineshop mit Self-Service | Footer und Checkout |
| B2B-Dienstleister, Beratung, Steuerkanzlei | Header oder Footer, Kontaktseite mit Ansprechpartner |
| Software, SaaS (B2B) | Kontaktseite oder nur Impressum |
Klickverhalten messen
Ein Klick auf die Telefonnummer ist ein starkes Kaufsignal, aber noch kein Anruf. Manche tippen versehentlich, andere legen auf, bevor jemand abnimmt. Trotzdem lohnt es sich, die Klicks zu zählen. Mit einem Analytics-Tool wie Google Analytics sehen Sie, auf welchen Seiten und über welche Kanäle Besucher die Nummer antippen. Wie Sie das einrichten, zeigt die Anleitung zum Call-Tracking hier im Blog.
Zwei Grenzen sollten Sie kennen. Wer am Desktop die Nummer abliest und vom Handy aus wählt, taucht in keiner Klickstatistik auf. Und ob aus dem Klick ein echtes Gespräch wurde, zeigt erst Call-Tracking, bei dem jeder Kanal eine eigene Nummer bekommt. Klären Sie dafür vorab den Datenschutz, denn hier werden Rufnummern verarbeitet.
Spannend ist danach der Vergleich: Welche Seiten erzeugen viele Klicks, aber wenige Gespräche? Oft liegt das nicht an der Seite, sondern daran, wann angerufen wird.
Anrufe ohne Website-Besuch: Google Ads, Unternehmensprofil und Meta
Manche Anrufe entstehen, bevor jemand Ihre Website überhaupt sieht:
- Google Ads: Mit Anruf-Assets erscheint unter der Suchanzeige ein Anruf-Button. Reine Anrufanzeigen stellt Google gerade ein. Seit Februar 2026 lassen sich keine neuen mehr anlegen, ab Februar 2027 erhalten bestehende keine Impressionen mehr. Der Ersatz sind normale Suchanzeigen mit Anruf-Asset (Google Ads Hilfe).
- Google-Unternehmensprofil: Bei lokalen Suchen kann man direkt im Profil auf „Anrufen“ tippen. Für Praxen und Handwerksbetriebe ist das kostenlos und oft der erste Kontakt.
- Meta: Auch auf Facebook lassen sich Anzeigen schalten, deren Ziel ein Anruf ist (Meta for Developers).
Bei Google Ads und Meta bezahlen Sie für den Kontakt, bevor ein Gespräch zustande kommt. Wer Anzeigen auf Anrufe optimiert, sollte deshalb vorher klären, wer zu den Schaltzeiten abnimmt.
Die beste Platzierung nützt nichts, wenn niemand abnimmt
Wie oft Anrufe ins Leere laufen, zeigt eine Auswertung von über 70 Millionen Anrufen aus der Kundenbasis des US-Call-Tracking-Anbieters Invoca: Nur 56 Prozent der Anrufer sprachen mit einem Menschen (Invoca 2026). Die Zahl ist nicht auf Deutschland übertragbar. Sie zeigt aber, wo der Engpass liegt: nicht beim Klick, sondern bei der Annahme.
Arztpraxen kennen das gut. Die Nummer steht im Header, die Patienten rufen an, aber das Team am Empfang ist mit den Patienten vor Ort beschäftigt. Dr. Marc Adler, Kieferorthopäde in Berlin, beschreibt, was dann passiert: „Viele Patienten suchen sich im Internet zwei oder drei Kieferorthopäden raus, rufen den ersten an – und wenn der nicht erreichbar ist, dann kommt der zweite auf der Liste, und dann der dritte.“ (zur Fallstudie) Seine Praxis nutzt deshalb unseren Telefonservice: Wenn das Team nicht kann, nehmen wir bei starbuero.de die Anrufe im Namen der Praxis an.
Ob Sie selbst abnehmen, eine Mitarbeiterin einplanen oder einen Telefonservice nutzen, hängt von der Zahl der Anrufe und Ihrem Budget ab. Praxen und Kanzleien sollten dabei auf die Schweigepflicht achten. Wichtig ist nur, dass die Entscheidung bewusst fällt. Eine gut platzierte Nummer, unter der niemand erreichbar ist, kostet mehr Vertrauen als eine Nummer im Footer.
Checkliste für Ihre Telefonnummer
- Die Nummer steht dort, wo Ihre Kunden entscheiden, nicht nur im Impressum.
- Mobil startet ein Tipp auf die Nummer den Anruf.
- Telefonzeiten stehen direkt daneben.
- Die Nummer ist auf Website, Unternehmensprofil und in Verzeichnissen identisch.
- Klicks auf die Nummer werden in Ihrem Analytics-Tool gezählt.
- Wer Anzeigen auf Anrufe schaltet, hat geklärt, wer zu den Schaltzeiten abnimmt.
- Auch unter der Nummer im Impressum nimmt jemand ab.
Über den Autor
Dominik Mirsemann ist Chief Product Officer bei starbuero.de, einem Telefonservice für Selbstständige und kleine Unternehmen, der seit 2013 Anrufe im Namen seiner Kunden annimmt. Zu den Kunden gehört auch Schild Roth.
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